|
From Doc. 404: Einstein to Paul Ehrenfest, 3 June 1912
Ich kann nicht begreifen, dass Herr Weiss sich so wenig
offen gegen mich verhält. Er vertröstete mich auf die Zeit, in der ich in
Zürich persönlich intervenieren könne wegen Ihrer Habilitation und schreibt
Ihnen, ohne mir irgend etwas zu sagen, einen halben Absagebrief! Nun ist zwar
die Stelle in Basel frei, aber die Kerle dort sind korrupte Schweine--mit
Verlaub zu melden. Die protegieren mit Vorliebe impotente Pfuscher. Wenn ich
irgend Einfluss gewinne, so sollen Sie dorthin kommen. Nehmen Sie jedenfalls
Sommerfelds Anerbieten unbedingt an! Das ist erstens äusserlich vorteilhaft für
Sie, und zweitens ist die Umgebung Sommerfelds ein Delicium für einen Mann wie
Sie. Durch Ihre Habilitation bei Sommerfeld werden Sie übrigens auch bei meinen
schlappschwänzigen Kompatrioten die verdiente Achtung erwerben.
From Doc. 416: Einstein to Ludwig Hopf, 16 August 1912
Ich habe Ihren Hineintritt in die Ehe mit dem entsprechenden
lebhaften Gefühl im Geiste miterlebt & freue mich, Sie und Ihre aller
Wahrscheinlichkeit (ca 97,5%) nach bessere Hälfte recht bald bei mir zu sehen.
Adresse: Hofstr. 116. (nahe dem Kirchlein Fluntern). Mit der Gravitation geht
es glänzend. Wenn nicht alles trügt, habe ich nun die allgemeinsten Gleichungen
gefunden. Abraham hat--wie Sie vielleicht gesehen haben--mich neulich samt der
Relativitätstheorie in zwei wuchtigen Angriffen totgeschlagen und die einzig
richtige Gravitationstheorie (unter "Nostrifikation" meiner
Resultate) geschrieben (phys. Zeitschr.), ein stattliches Ross, dem aber drei
Beine fehlen!
From Doc. 199: Einstein to Jakob Laub, 16 March 1910
Ich freue mich sehr mit Ihrem Brief, wenn er auch voll ist
von Abrahams Rempeleien. Das muss ein kurioser, massloser Mensch sein. Sogar
sein sonst scharfes Urteil scheint durch seine Leidenschaft affiziert zu sein.
Ich gebe ihm gerne zu, dass er besser rechnet als ich, dass er mehr Bücher
beherrscht als ich, und was er sonst will. Dass es ein besonderes
mathematisches Denken geben soll, wundert mich; die Behauptung, dass mir dieser
besondere sechste Sinn abgehen soll, ist mir auch plausibel. Gut, dass er mir
das Denken nicht schlechtweg abspricht. Solange er mir dies nicht auch
abspricht, will ich seine Urteile immer noch als wohlwollend hinnehmen.
From Doc. 389: Einstein to Elsa Löwenthal. 30 April 1912
Kaum war ich von Euch fort, da drückte mich das Gefühl, dass
ich Dir unmöglich schreiben könne, da Du ja so beobachtet bist. Wie freute ich
mich da heute, als ich aus Deinem Brief ersah, dass Du einen Weg gefunden hast,
der es uns gestattet, mit einander in Verbindung zu bleiben. Wie lieb von Dir,
dass Du nicht zu stolz bist, auf solche Art mit mir zu verkehren! Ich habe Dich
in diesen wenigen Tagen so lieb gewonnen, dass ich Dirs kaum sagen kann. Und
ich werde Auch in nicht zu langer Zeit (ich glaube Ende dieses Semesters) zu
Euch kommen, wenn Du die Empfindung hast, dass dies angeht. Es ist
jammerschade, dass wir nicht in derselben Stadt wohnen. Die Aussicht, dass ich
nach Berlin gerufen werde, ist leider recht gering, wie ich mir bei klarer
überlegung sagen muss. Vielleicht aber kommt auch einmal eine Zeit, wo Du Dir
Deinen Wohnort frei wählen kannst, und ..... Du lachst mich aus in Deiner
liebenswürdigen Art, aber ich hab Dich deshalb kein bischen weniger gern. Ich
bin ganz selig, wenn ich an unsere Tour nach Wannsee denke. Ich gäbe was drum,
wenn ichs wiederholen könnte!
Paulas Benehmen hat mir sehr missfallen. Ich begreife nur schwer, wie ich an
ihr habe Gefallen finden können. Eigentlich ist es aber einfach. Sie war jung,
ein Mädchen, und entgegenkommend. Das war genug. Das übrige lügt eine
liebenswürdige Phantasie. Wen sie nie belogen hat, der weiss nicht was selig
heisst. Ich muss Dir gestehen, dass ich meiner Mutter empfahl, bei O. zu
bleiben. Dort hat sie es gut, ist bei taktvollen Leuten, die sich ihr gegenüber
nichts herausnehmen. Sich so ganz in die Hände von Verwandten zu begeben ist
gefährlich. Kurz, ich misstraue der Geschichte. Wenn es schief ginge, wärs sehr
fatal. Wenn Herr O. stirbt, werde ich schon für meine Mutter sorgen. Das vermag
ich.
From Doc. 391: Einstein to Elsa Löwenthal, 7 May 1912
Dein Brief macht mich sehr traurig. Wir sind beide arme
Teufel, jeder angekettet an seine unerbittlichen Pflichten. Ich kann Dir nicht
sagen, wie leid Du mir thust, und wie gerne ich Dir etwas sein möchte. Aber es
wird nur Verwirrung und Unglück entstehen, wenn wir unserer Zuneigung zu
einander nachgeben. Du weisst es ja nur zu gut. Aber Du darfst niemals denken,
an mir eine Enttäuschung erlebt zu haben. Ich habe Dich lieb und habe Dirs
ehrlich gezeigt. Thue mich also nicht mit meiner Mutter in eine
Schublade, das bitte ich Dich. Ich sage Dirs noch einmal. Ich habe Dich lieb.
Ich wäre glücklich, wenn ich auch nur manchmal an Deiner Seite einige Schritte
spazieren gehen dürfte oder sonst mich an Deiner Nähe erfreuen könnte. Ich
leide sehr darunter, dass es mir versagt ist, wirklich zu lieben, eine Frau zu
lieben, die ich auch nur zu sehen kriege! Ich leide noch mehr wie Du, weil Du
nur unter dem leidest, was Du nicht hast. Aber trotzdem ergebe ich mich
ins Unvermeidliche, um noch Aergeres zu verhüten.
From Doc. 466: Einstein to Elsa Löwenthal, after 11 August 1913
Ich habe mir fest vorgenommen, mit einem Minimum
medizinischer Hilfe ins Gras zu beissen, wenn mein Stündlein gekommen ist, bis
dahin aber drauf los zu sündigen, wie es mir meine ruchlose Seele eingibt.
Diät: Rauchen wie ein Schlot, Arbeiten wie ein Ross, Essen ohne überlegung und
Auswahl, Spazierengehen nur in wirklich angenehmer Gesellschaft, also
leider selten, Schlafen unregelmässig etc.
From Doc. 482: Einstein to Elsa Löwenthal, 7 November 1913
In Brüssel war es sehr interessant. Ich hatte eine starke
Debatte mit Nernst, die aber merkwurdigerweise unseren guten Beziehungen nicht
geschadet hat. Bei einem Festessen hat unser Prasident H. A. Lorentz es für
nötig befunden, dass ich den Toast auf den Gastgeber loslassen müsse. Ich that
es, aber in recht kindlicher Weise; denn in solchen Dingen bin ich ja von einer
seltenen Unerfahrenheit. Alle, die mich als geistesgegenwärtigen
Diskussionsredner ohne Furcht und Tadel kennen, waren gaudiert über das Faktum,
dass mich die Gewalt des Wortes beim Essen und Trinken so vollkommen verlässt.
From Doc. 498: Einstein to Elsa Löwenthal, 27 December 1913-4 January 1914
Hab ichs nicht gleich gesagt, dass es eine Mords-Hetz geben
wird? Ich wasche mir die Hände in der berühmten Unschuld und sehe mit aller
Gemütsruhe zu, wie die Leutchen miteinander fertig werden. Miza ist von Natur
unliebenswürdig und misstrauisch. Wenn man ihr dann demgemäss begegnet, fühlt
sie sich verfolgt. Bis jetzt hat sie sozusagen nie mit andern Menschen als mit
mir armem Teufel zu thun gehabt. Nun darf ich einmal zusehen! Du bist ihr
freundlich entgegengekommen. Sie aber misstraut Dir offenbar. Ich weiss nicht,
was sie Dir auf Deinen Brief geantwortet hat, aber wahrscheinlich hat sie wohl
Deine Hilfe nicht akzeptiert. Was nun Mizas Verhältnis zu meiner Mutter angeht,
kann ich Miza nicht Unrecht geben. Meine Mutter verkehrt nur mit mir
brieflich--dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber dann der andere Teil
einfach erklärt, darauf hin nichts mehr mit ihr zu thun haben zu wollen, so ist
das nach meinen Begriffen auch ganz gerechtfertigt. Wenn man an jemand nicht
gebunden ist, so meidet man ihn am besten, wenn das Zusammensein unangenehm
ist. Darin sehe ich kein Unrecht. Es sollte meiner Mutter angenehm sein, wenn
sie es nur mit mir zu thun hat. Sie verliert wahrlich nicht viel bei
dieser Beschränkung. Für mich ergäbe ein familiärer Verkehr nichts als
beständigen Aerger. Ich lasse mir von Miza in meine Privatangelegenheiten nicht
dreinreden, aber ich rede ihr auch nichts drein. Ich empfinde Mizas Abwesenheit
sehr angenehm. Du siehst, dass auch ich Vergnügen an meiner Ehe habe!
From Doc. 509: Einstein to Elsa Löwenthal, February 1914
Sei mir nicht böse, wenn ich ein so übler Briefschreiber
bin. Ich hab Dich deshalb nicht weniger gern. Ich komme nicht zum Schreiben
weil ich mit wirklich grossen Dingen beschäftigt bin. Tag und Nacht grüble ich
an der Vertiefung der Dinge, die ich in den letzten zwei Jahren allmählich
gefunden habe, und die einen unerhörten Fortschritt in den Grundproblemen der
Physik bedeuten. Da habe ich nun auch eine grosse polemische Arbeit zu thun, da
sich die namhaftesten Fachgenossen gegen meine Auffassungsweise wehren. Da
fehlt es mir an Gemütsruhe zum Plaudern, grade wie einer nicht Geige spielen
kann, wenn er vorher mit einem grossen Hammer gearbeitet hat. Aber ich freue
mich deshalb nicht weniger auf meine liebe Else, bei der ich meine Bürde
ablegen kann, um mit ihr zu schwatzen, und mit der ich herumzuvagieren kann in
den traulichen Wäldern bei Berlin. Das ist mir lieber als alles andere, was ich
mir in Berlin träumen kann. Da wollen wir unsere Erinnerungen von ganz früher
aufleben lassen und alles üble, was dazwischen kam, vergessen.
From Doc. 374: Einstein to Alfred and Clara Stern, 17 March 1912
Im Winter hatte ich Besuch von meiner Mutter und von einem
Studienfreund & lernte dabei die architektonischen Schönheiten Prags erst
recht kennen. Ein kürzerer Aufenthalt in Prag--nur zum Vergnügen--lohnt sich
ausserordentlich. Aber hier zu leben hat seine bedenklichen Schattenseiten.
Kein trinkbares Wasser Viel Elend neben Protzerei und Hochmut.
Standesvorurteile. Wenig echte Bildung. Alles byzantinisch und pfäffisch. Mein
grösseres Bärchen muss in den katholischen Religionsunterricht und--horribile
diktu--in die Kirche. Die Tintenscheisserei im Amte ist endlos--alles, wie es
scheint, um dem Tross von Schreibern in den Staatskanzleien einen Schein von
Daseinsberechtigung zu geben (Der Satz ist nicht übel; wenn er gedruckt wäre,
würde er vielleicht in Ihrer schönen Sammlung verewigt). Wenn ich ins Institut
komme, verbeugt sich ein serviler, nach Alkohol riechender Mensch und sagt
"ergebenster Diener". So etwas wie Persönlichkeit ist hier nicht
üblich, findet sich auch bei den Studenten selten. Sicher verderben die k. k.
Gymnasialprofessoren schon sehr viel. Aber es sind doch einige prächtige Kerle
unter meinen Studenten.
From Doc. 263, Einstein to Heinrich Zangger, 7 April 1911
Nun sitzen wir schon in der neuen Wohnung. Unsere einzigen
Möbel sind bis jetzt Stubenwagen & Reisekorb. Prag ist eine schöne Stadt
zum Ansehen. Die Leute sind je nach ihrem Schicksal hochmütig, schäbig-gentil,
unterwürfig. Sie sind Meister im Kochen. Eine gewisse Grazie ist vielen von
ihnen eigen. Häuser & Gegenstände etwas schmutzig & verlottert. Die
Animosität zwischen Deutschen & Tschechen scheint bedeutend. Beispiel. Ich
frage unseren Institutsdiener, wo man wollene Decken erhält. Mein
Vorganger--Herr Lippich--erfährt, dass er uns ein Geschäft empfohlen hat, dessen
Inhaber ein Tscheche ist. Sofort schickt er sein Dienstmädchen zu mir, um mich
zu bitten, die Decken in einem "deutschen" Geschäft zu kaufen.
From Doc. 279, Einstein to Heinrich Zangger, 24 August 1911
Gestern habe ich in einer höchst pittoresken Uniform beim böhmischen
Statthalter den feierlichen Amtseid geschworen, wobei ich mich des eigens fur
diesen Zweck wieder angenommenen jüdischen "Glaubens" bediente. Es
war eine drollige Scene.
From Doc. 344: Einstein to Heinrich Zangger, 27 January 1912
Die Columbia Universität in New York hat mich fur nächsten
Herbst eingeladen zum Vortragen. Ich gehe aber nicht hin. Nach Wien gehe ich
auch nicht. Ich mag diese öffentliche Vortragerei nicht. Abraham hat meine
Gravitationssache zu einer geschlossenen Theorie ergänzt, aber bedenkliche
Denkfehler dabei gemacht, sodass die Sache wohl unrichtig ist. Das kommt davon,
wenn man formal operiert, ohne dabei physikalisch zu denken!
From Doc. 366: Einstein to Heinrich Zangger, before 29 February 1912
Ich wurde von Lorentz nach Leiden berufen als sein
Nachfolger. Es ist gut, dass ich in Zürich schon verpflichtet war; denn sonst
hätte ich unbedingt dorthin gehen müssen. Nun wird Debije wohl auch dorthin
berufen werden. Es wäre mir sehr wichtig zu wissen, ob Debije dort bleibt. Es möchte
sich nämlich ein ausgezeichneter Theoretiker in Zürich habilitieren
(Ehrenfest), der fanatischer Konfessionsloser ist (kurios) und deshalb von der
Schweiz nicht wegberufen würde. Diesem Manne muss man sehr entgegenkommen, weil
er eine ausgezeichnete Aquisition wäre. Er möchte sich vor der Hand nur
habilitieren; trotzdem hat ihn Kleiner in seiner - - -, als er sich ihm
persönlich vorstellte, mehr oder weniger abgeschreckt. Das liesse sich aber
leicht wieder gut machen. Man könnte dann einen praktischen Physiker event. an
Stelle Debijes nach Zürich berufen und die Universität wäre sehr gut versorgt.
Weiteres besprechen wir mündlich.
From Doc. 398: Einstein to Heinrich Zangger, 20 May 1912
Ich war also wirklich in Berlin in den Ferien und habe die
Streitfrage mit Nernst so weit beigelegt, als es möglich war. über Nernst haben
sich alle beklagt. Ich selbst habe nur gesehen, dass er herrschsüchtig und
empfindlich, aber nicht, dass er unehrlich sei. In einiger Distanz lebend kann
man sich mit ihm vertragen. Die übrigen Kerle in Berlin, Haber, Planck, Warburg
& auch Rubens sind lauter gediegene feine Kerle, sodass die Expedition sehr
angenehm war. Nernst ist ein famoser Techniker. Er arbeitet mit
verhältnismässig einfachen Mitteln. Das letzte bedeutende Resultat, was sie
dort fanden, ist, dass sich Wasserstoff bei tiefen Temperaturen bez. Wärme wie
ein einatomiges Gas verhält. Ich habe eine Theorie dazu in den letzten Tagen
aufgestellt. "Theorie" ist ein zu anmassendes Wort dafür, es ist nur
ein Tappen ohne richtige Grundlagen. Je mehr Erfolge die Quantentheorie hat,
desto dümmer sieht sie aus. Wie würden die Nichtphysiker spotten, wenn sie den
kuriosen Entwicklungsgang verfolgen könnten!
From Doc. 507: Einstein to Heinrich Zangger, 20 January 1914
Ich schrieb einen Artikel in die "Scientia" über
Gravitation um auf einen Artikel von Abraham zu antworten, in den letzten Tagen
eine Antwort auf eine Abhandlung von Mie, durch die meine Gravitationstheorie
mausetot geschlagen werden sollte. Ich freue mich, dass die Sache doch
wenigstens mit der erforderlichen Lebhaftigkeit aufgegriffen wird. Die
Kontroversen machen mir Vergnügen. Figaro-Stimmung: "Will der Herr Graf
ein Tänzlein wagen? Er solls mir sagen! Ich spiel ihm auf."
|
|